„Alpen-Adria-Region ist Einheit in Vielfalt“

Kärnten verbindet. LH Peter Kaiser, LR Daniel Fellner, Alfons Haber (E-Control) und Andreas Matthä (ÖBB). Foto: LPD Kärnten/Handler
Zur ersten Europakonferenz „Kärnten verbindet – Europas Brückenregion zwischen Alpen und Adria im geopolitischen Wandel“ lud vergangenen Freitag (27. März) Landeshauptmann und EU-Referent Peter Kaiser in das Landesarchiv. Gemeinsam mit LR Daniel Feller und LR Sebastian Schuschnig sowie zahlreichen Vortragenden wurde die interregionale Zusammenarbeit zwischen Kärnten, Friaul-Julisch Venetien und Slowenien aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Umbrüche

In seinen Begrüßungsworten machte LH Kaiser klar, dass gravierende Umbrüche die Welt erschüttern und dass autoritäre Regime Demokratien gefährden. Kaiser hob hervor, dass weltweit nur 12 Prozent der Bevölkerung in liberalen Demokratien leben. Es gäbe für Europa nur eine Chance:

„Europa muss zu einem Machtfaktor werden, um das Balancegefühl innerhalb der Weltmächte ausgleichend wiederherzustellen und das auf Basis unserer Werte.“

Dafür brauche es laut Kaiser geopolitisch ein starkes Europa, eine gemeinsam gelebte Außen- und Wirtschaftspolitik sowie eine europäische Sicherheitsstruktur ohne Abhängigkeiten der USA oder Nato. „Diese Sicherheitsarchitektur soll unsere Europäischen Werte verteidigen und das mit modernsten Sicherheitstechnologien“, hielt Kaiser fest. Kaiser forderte Optimismus für die Zukunft ein und den Willen aktive Taten für ein starkes Europa zu setzen.

Kooperationen

In den Panels betonte Kaiser die zentrale Rolle Kärntens in der Alpen-Adria Region. „Alpen-Adria formte dieses Mitteleuropa, das wir heute erleben, zu einem gewichtigen Teil mit.“ Weiters hob er die unzähligen Kooperationsformen hervor, die im Alpen-Adria Raum für interregionale Zusammenarbeit über Grenzen hinweg sorgen: etwa die Alpen-Adria-Allianz, den EVTZ Euregio Senza Confini – Ohne Grenzen, die Alpen-Adria-Rektorenkonferenz, das NAAN (New Alps-Adriatic Network of Chambers) und auch andere öffentliche und private Akteure, die in diesem Raum über Grenzen hinweg kooperieren. Die vielen gemeinsamen Kooperationen machen laut Kaiser eines klar: „dass wir Einheit in Vielfalt leben“ Auch das „Aufeinander-Zugehen über Grenzen hinweg“ lasse sich so gut wie nie aus der Perspektive nationaler Hauptstädte verwirklichen, sondern werde auf regionaler Ebene initiiert und schließlich gelebt, erklärt Kaiser.

Miteinander

Perspektiven für eine zukunftsorientierte Kärntner Nachbarschaftspolitik wurde ebenfalls aufgezeigt und diskutiert. Landesrat Daniel Fellner, der kürzlich die Präsidentschaft der Euregio Senza Confini – dem Zusammenschluss der Regionen Kärnten, Friaul-Julisch Venetien und Venetien – von Landeshauptmann Peter Kaiser übernommen hat, machte deutlich, dass Frieden angesichts der aktuellen Weltlage keine Selbstverständlichkeit ist.

„Es braucht jede und jeden Einzelnen, der Verantwortung übernimmt und dazu beiträgt, die Welt im Kleinen wie im Großen ein Stück besser zu machen“,

betonte Fellner. Das beginne im täglichen Miteinander, in der Art, wie wir miteinander sprechen, und setze sich in zentralen Fragen wie dem Umweltschutz fort. Fellners Appell: „Gehen wir mutig in die Zukunft und bündeln wir unsere Kräfte, denn nur gemeinsam können wir wirklich mehr erreichen.“

Regionale Initiativen

Die Keynote der Tagung hielt BM a. D., Gen.Maj. i. R. Thomas Starlinger zum Thema Europa in einem veränderten geopolitischen Kontext. Hauptbotschaft Starlingers war, dass angesichts der aktuell weltweiten Krisen und Kriegen diese Herausforderungen nur durch gemeinsame Zusammenarbeit besser bewältigt werden können. In seinem Vortrag beleuchtete Starlinger unter anderem die Wirtschaftsmacht China, die Auswirkungen des Irankriegs am internationalen Wirtschafts- und Energiemarkts oder auch die weltweiten Auswirkungen der KI-Technologie. Laut Starlinger wären es gerade regionale Initiativen, die die lokale Bevölkerung wieder näher an die Europäische Union bringen würden. Im Panel mitdiskutiert haben Ada Pellert, Rektorin der Alpen-Adria Universität Klagenfurt, Barbara Zilli, Regionalrätin für Finanzen der Autonomen Region Friaul-Julisch Venetien sowie Maja Balant Slobodjanac, Generalkonsulin der Republik Slowenien. Themen waren die nationalstaatliche Zusammenarbeit mit dem Bundeland Kärnten, die große Bedeutung der regionalen Ebene für die Entwicklung Europas und auch die verstärkte Kooperation ua bei Katastropheneinsätzen oder einer grenzüberschreitenden Wissenslandschaft.

Grenzüberschreitend

Den Alpen‑Adria‑Raum als einen der dynamischsten und strategisch wichtigsten Wirtschaftskorridore Europas beleuchteten Andreas Matthä, Vorstandsvorsitzender ÖBB im zweiten Panel. So würden Lokale Unternehmen von der besseren Anbindung an Nord‑ und Südeuropa und der zentralen Lage im EU‑Verkehrsnetz ebenso profitieren wie von neue Export- und Beschaffungsmärkten, zusätzlichen Ansiedelungsimpulsen und von krisenfesteren Lieferketten und der damit verbundenen strategische Resilienz. Der Vorstand der E-Control, Alfons Haber hob die Bedeutung der Grenzüberschreitende Leitungskapazitäten hervor: Um das gesamte Energiesystem mit möglichst geringen Kosten effizient betreiben und weiterentwickeln zu können, braucht es eine nationale und internationale Koordination beim Netzausbau, der Projektentwicklung und der Digitalisierung. Wie das grenzüberschreitende Rettungswesen und der Katastrophenschutz funktioniert verdeutlichten Bernhard Pichler-Koban, Landesreferent-Stellvertreter Bergrettung Kärnten, Thomas Jank, Geschäftsführer ARA Flugrettung sowie Rudolf Robin, Landes-Feuerwehrkommandant Kärnten. Die Conclusio der Tagung fasste Landeshauptmann Peter Kaiser prägnant zusammen:

„Unsere größte Aufgabe als Politik: wir brauchen mehr Europa“.

Zahlreiche Besucher

Unter den zahlreichen Besuchern der Tagung waren ua. Landtagspräsident Andreas Scherwitzl, die Landtagsabgeordneten Stefan Sandrieser, Herbert Gaggl, Franz Josef Smrtnik, die Nationalratsabgeordnete Olga Voglauer, BRAbg. Manfred Mertel, Landesamtsdirektor Dieter Platzer, Landesamtsdirektorstellvertreter Markus Matschek, Militärkommandant Philipp Eder, der ehem. Militärseelsorger Emmanuel Longin, die Bezirkshauptleute Heinz Pansi (BH Hermagor) und Bernd Riepan (BH Villach Land), die Honorarkonsulate mit Christine Muttonen (Kirgistan), Herta Stockbauer (Schweden), Christoph Weissenseer (Kasachstan), LH aD Christoph Zernatto, Präsident Europahaus Klagenfurt, die Bürgermeister Dieter Dohr (Bad St. Leonhard), Arnold Klammer (Markgemeinde Obervellach), Martin Lackner (Heiligenblut am Großglockner), Gerhard Oleschko (Keutschach am See), Franz Richau (Marktgemeinde Rosegg), Markus Salcher (Marktgemeinde Kirchbach), Stefan Salzmann (Marktgemeinde St. Paul im Lavanttal), die EU-Jugendbotschafter sowie eine Reihe von EU-Gemeinderätinnen- und räten, Richard Dumpelnik von der Rail Cargo Group, Vertretern der Österreichischen Post AG, des Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds, der BABEG, Joanneum Research, der Industriellenvereinigung Kärnten und der KNG Kärnten Netz.