Die globale Gegenwart ist geprägt von bewaffneten Konflikten, wirtschaftlichen Unsicherheiten und gesellschaftlichen Spannungen – Entwicklungen, die auch die österreichische und Kärntner Jugend beschäftigen und Fragenbei ihnen aufwerfen. Knapp 100 Oberstufenschülerinnen und -schüler des Europagymnasiums, der HAK 1 sowie des Slowenischen Gymnasiums folgten daher heute, Montag, der Einladung von Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser und Paul Schmidt von der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) zu einer Diskussions- und Fragerunde im Spiegelsaal der Kärntner Landesregierung.
Zu Beginn gewährte Kaiser den anwesenden Jugendlichen Einblicke in seinen politischen Werdegang und schilderte seine persönliche Sicht auf die Europäische Union nach 13 Jahren als Europareferent. Ihm sei es ein besonderes Anliegen, Europa verständlich zu machen und seine Bedeutung für Kärnten und jede und jeden Einzelnen anhand konkreter Beispiele aus dem Alltag sichtbar zu machen. Dazu nannte er ua die Vernetzung Kärntens mit über 320 weiteren EU-Regionen im Ausschuss der Regionen (AdR) sowie die enge Zusammenarbeit mit den Nachbarregionen im Alpen-Adria-Raum oder der EUREGIO Senza Confini.
„Mit der EUREGIO Senza Confini bauen wir zB grenzübereschreitende Radwege, Tourismus- und Kulturkooperationen aus und bürokratische Hürden ab“,
erklärte Kaiser. In diesem Zusammenhang ging er auch auf die bilateralen Beziehungen zwischen Kärnten und der Republik Slowenien, ein. Offene Grenzen, enge Kooperationen und ein konstruktiver Austausch kämen der Kärntner Bevölkerung besonders zugute, so der Landeshauptmann, der auch auf das gemeinsame Kärntner-Slowenische Erfolgsprojekt Geopark Karawanken verwies.
„Kärnten ist außerdem Mitglied der EUSALP-Initiative – einem Zusammenschluss aller Regionen im Alpenraum, einschließlich der Nicht-EU-Staaten Schweiz und Liechtenstein. Dort wird konkrete Politik für rund 80 Millionen Menschen im Alpenraum gestaltet“,
erläuterte Kaiser. Im Fokus stünden gemeinsame Projekte etwa in den Bereichen Nachhaltigkeit, Klima- und Katastrophenschutz sowie Infrastruktur und Mobilität.
In der anschließenden Fragerunde mit den Jugendlichen kamen auch schwierigere Themen zur Sprache – darunter Kriege, Konflikte und globale Krisen. Auf die Frage eines Schülers, ob ein Dritter Weltkrieg bevorstehe, antwortete Kaiser, er hätte sich gewünscht, dass das politische Klima weltweit eine solche Frage gar nicht erst aufkommen lasse.
„Aber wir sehen leider vielerorts, dass Macht missbraucht wird, Angriffskriege geführt, Menschenrechte verletzt und Kriege auf unterschiedliche Weise geführt werden, so dass auch wir ihre Folgen unmittelbar zu spüren bekommen“,
sagte Kaiser. Der Landeshauptmann zeigte sich jedoch weiterhin hoffnungsvoll.
„Wenn die Krisen der vergangenen Jahre eines gezeigt haben, dann, dass die EU auf äußeren Druck mit Stärke und größerem Zusammenhalt reagiert“,
erklärte er und verwies dabei auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie auf geopolitische Spannungen rund um Grönland, das zum EU-Mitgliedstaat Dänemark gehört.
„Nur rund zwölf Prozent der Weltbevölkerung leben in liberalen Demokratien wie Österreich. Etwa 16 Prozent leben in sogenannten Wahldemokratien, etwa in Ungarn, Polen oder Serbien, wo politische Teilhabe oder aktive Opposition deutlich erschwert sind. Rund 72 Prozent der Menschen leben hingegen in autoritär geführten Staatssystemen“,
betonte Kaiser. Es sei daher wichtig, sich dieser Realität bewusst zu werden und die Europäische Union zu schützen und zu stärken.
„In Zukunft brauchen wir noch mehr EU, noch mehr europäische Zusammenarbeit und ein stärkeres europäisches Bewusstsein“,
so Kaiser. Gleichzeitig warnte er vor Fake News, unterschwelliger Hetze und Cyberangriffen auf die Integrität der EU.
„Eine starke EU liegt nicht im Interesse einiger großer Mächte. Im Gegenteil: USA unter Trump, China und Russland wollen die EU schwächen. Umso wichtiger ist es, dass wir uns unserer Stärke, unseres Potenzials und unserer Chancen bewusst werden – und diese auch verteidigen“,
machte Kaiser deutlich. Als Beispiel für die Stärke der EU verwies er auf die Größe der EU: 450 Millionen Menschen bedeuten schon alleine eine immens große Kunden- und Marktmacht.
Der Landeshauptmann zeigte sich überzeugt, dass die EU auch künftig weiter an Bedeutung gewinnen werde. Er appellierte an die Jugendlichen, sich aktiv zu engagieren, und erinnerte an die vier Identitätsebenen jedes Einzelnen: die Zugehörigkeit zur Stadt oder Gemeinde, zum Bundesland, zum Staat und zur Europäischen Union. Abschließend dankte er den Schülerinnen und Schülern sowie den Organisatorinnen und Organisatoren der Veranstaltung.
Auch Paul Schmidt, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik, zeigte sich optimistisch hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit der EU.
„Es ist wichtig, die Skepsis der Menschen ernst zu nehmen. Gleichzeitig müssen wir das Gespräch suchen und aufzeigen, an wie vielen positiven Entwicklungen die EU maßgeblich beteiligt ist“,
betonte er. Als Beispiel nannte er die von der EU kofinanzierte Koralmbahn. Gerade für junge Menschen eröffne die EU zahlreiche Möglichkeiten – sowohl im Hinblick auf politische Mitbestimmung als auch auf Bildung und persönliche Entwicklung, etwa im Rahmen des ERASMUS+ Programms für Schülerinnen, Schüler und Studierende. Auch hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit, Wehrhaftigkeit und Krisensicherheit der EU zeigte sich Schmidt zuversichtlich.
„Wir haben das Potenzial, uns von fossilen Energieträgern unabhängiger zu machen und dadurch mehr Autarkie zu erreichen“,
erklärte er mit Blick auf geopolitische Entwicklungen etwa in der Ukraine oder im Iran. Zugleich erinnerte er daran, dass Österreich mit seinen rund neun Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ein vergleichsweise kleines Land sei und nur gemeinsam mit den anderen EU-Staaten eine starke Einheit bilden könne. Auch Schmidt bedankte sich bei den Schülerinnen und Schülern, dem Lehrpersonal sowie beim Landeshauptmann für die Möglichkeit zum Austausch.
Moderiert wurde die Diskussion von Marc Germeshausen vom Europahaus Klagenfurt. Diskussionsrunden wie diese werden vom Europa Club Kärnten der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik organisiert. Die Veranstaltungen befassen sich mit Themen wie Geopolitik, Wirtschaft, EU-Politik, Demokratie, Desinformation sowie den Zukunftsperspektiven junger Menschen innerhalb der Europäischen Union.
Quelle: LPD Kärnten