Europahaus: 60 Jahre im Einsatz des europäischen Gedankens

Präsident Christoph Zernatto und GF Marc Germeshausen ehrten LH Peter Kaiser für sein Engagement für Europa. Foto: LPD Kärnten/Peter Just
Vor 30 Jahren ist Österreich nach einer Volksabstimmung der EU beigetreten. Schon seit dem Jahr 1965, also seit 60 Jahren, gibt es das Europahaus Klagenfurt, ein überparteilicher Verein, der sich damals das Ziel gesetzt hat, durch Bildungs-, Informations- und Kulturarbeit das Zusammenwachsen Europas zu forcieren und Bewusstsein für die Vorteile eines Staatenbündnisses in Europa zu schaffen.
 
Am Montagnachmittag fand mit Landeshauptmann Peter Kaiser und im Beisein von LHStv Martin Gruber der Festakt zum 60jährigen Jubiläum dieser Bildungseinrichtung statt. Kaiser begrüßte die zahlreichen Gäste mit „geschätzte Europäerinnen und Europäer“ und betonte die Wichtigkeit der jahrzehntelangen Arbeit des Vereins Europahaus.

„Ursprünglich gab es viele Bewegungen pro Europa, aber immer ideologisch geprägt. Heute treten wir im wahrsten Sinne des Wortes über Grenzen hinweg gemeinsam auf und für eine starkes Europa ein. Der Verein Europahaus hat alle Höhen der EU-Werdung, aber auch alle Meinungstiefs zur EU miterlebt. Die Saat jedoch, die der Verein bereits vor 60 Jahren ausgelegt hat, ging vor 30 Jahren sichtbar auf. Zwei Drittel der Kärntnerinnen und Kärntner haben in einer Volksabstimmung für einen Beitritt Österreichs zur EU gestimmt, was Änderungen mit sich brachte, die wir uns zuvor niemals erträumt hätten, wie der freie Verkehr von Menschen, Waren, Finanzströmen. Weg was das Zücken des Reisepasses an der Grenze, es folgte das Durchwinken“,

erinnerte Kaiser in seiner Festrede im Spiegelsaal der Landesregierung. Der Verein Europahaus habe all diese Entwicklungen mitbegleitet, habe die Bevölkerung vorbereitet, informiert, das Bewusstsein für ein gemeinsames Europa geschärft, habe entsprechendes Wissen vermittelt.

„Der heutige Jubilar hat einen wichtigen Beitrag mit Dialog und Polilog zur damaligen Abstimmung geleistet“,

so Kaiser.
 
Der Landeshauptmann verwies ebenso auf die anderen „Begleiterscheinungen des EU-Beitritts und des Staatenbündnisses, wie die Bürokratie, aber dennoch sei ein vereintes Europa alternativlos“. Die EU müsse sich den heutigen Herausforderungen stellen, die einzelstaatlich nicht mehr lösbar seien, wie die Bedrohung der Sicherheit, der grenzenlose Klimawandel, Kriegssituationen oder die Energieversorgung.

„Bei aller berechtigter Kritik ist die EU wohl die mit Abstand am besten funktionierende supranationale Organisation. Gerade in einer Zeit, in der wir die Neuordnung der Welt in wirtschaftspolitischer Hinsicht, in Hinblick auf Änderungen der Grundeinstellung zu Staatstheorien oder zu historischen Werten erleben, sich Kräfteparallelogramme verschieben, sei es notwendig sich auf die Stärke des Staatenbündnisses zu berufen.“

 

„570.000 Kärntnerinnen und Kärntner, rund 9 Mio. Österreicherinnen und Österreicher können in Anbetracht der Größenordnung der Veränderungen nicht losgelöst Lösungen erwarten. Es ist aber auch eine politische Logik, dass wir uns als EU außen-, wirtschafts- und sicherheitspolitisch auf uns selbst verlassen müssen. Wir haben zu lange in quasi einer Partnerschaft mit den USA verharrt. Wir müssen die Reaktionen Europas in vielen Fragen genau überlegen und die Geschlossenheit gegenüber Bedrohungen durch Antiautoritäten und Demokratiegefährdern klar kommunizieren. Es muss diesbezüglich einen Ruck geben – wir brauchen mehr Europa, nicht weniger. Wir müssen uns proaktiver als EU global positionieren“,

sagte Kaiser.
Der Landeshauptmann betonte auch, dass Kärnten seit dem EU-Beitritt Österreichs geopolitisch ins Zentrum Europas gerückt sei und die Baltisch-Adriatische-Achse mit dem Jahrhundertprojekt Koralmtunnel Europa nicht nur verkehrstechnisch neu verbindet. Zudem entstehe nun mit dem Zusammenwachsen Kärntens und der Steiermark der siebentgrößte Ballungsraum Europas! Kärnten habe in den 30 Jahren der EU-Mitgliedschaft über zwei Milliarden Euro Nettogewinn zu verzeichnen.
 
Auch der Präsident des Europahauses, Christof Zernatto, betonte, dass „das Bewusstsein schaffen für ein starkes, vereintes Europa dem Bohren harter Bretter gleichkomme.

„Kritik ist immer etwas Positives, ja, es läuft nicht alles Rund in der EU. Aber es geht keinesfalls darum, Europa abzuschaffen. Es kann nur darum gehen, die Probleme gemeinsam zu lösen. Kriege, die Gefährdung der Rechtsstaatlichkeit, sind nur gemeinschaftlich zu lösen. Ich möchte, dass meine Enkel in einem System aus Demokratie, Menschenrechten, freiem Reiseverkehr, Solidarität und gemeinsamen Werten aufwachsen, nicht in einem altvatrischen Nationalismus – der hat keinen Platz mehr. Daher brauchen wir mehr Europa, auch ein selbständigeres Europa. Einzelstaatlichkeit ist keine Basis für einen Erfolg. Die gemeinsamen Werte Europas sind hoch zu halten“,

so Zernatto.
 
Der ehemalige Landeshauptmann umriss die umfangreichen Tätigkeiten des Europahauses, dankte dem Team, allen voran Mark Germeshausen, sowie seinen Vorgängern für die unermüdliche Arbeit und die ständige Weiterentwicklung dieser. Walter Juritsch und Nikolaus Lanner wurden im Zuge des Festaktes zu Ehrenpräsidenten des Europahauses ernannt. Mathilde Sabitzer – „das lebendige Wissen des Europahauses“ – erhielt als sichtbaren Dank die Ehrenbrosche des Europahauses.
 
Zernatto dankte auch dem amtierenden Landeshauptmann für die langjährige Kooperation und die immer offenen Türen für das Europahaus und seine Anliegen. Auch diesen Dank brachte Zernatto in sichtbarer Form dar und überreichte Kaiser eine Ehrennadel.
Bürgermeister Christian Scheider lobte ebenso die unermüdliche und wichtige Arbeit des Europahaueses und verlieh dem Team das Klagenfurter Stadtwappen.
 
Moderiert wurde der Festakt von Ute Pichler. Sie begrüßte Landtagspräsident Reinhart Rohr, den 3. Landtagspräsidenten Andreas Scherwitzl und Clubobmann Markus Malle, den Landeshauptmann a. D., Christof Zernatto, Nationalratsabgeordnete Olga Voglauer, Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider, ORF-Direktorin Karin Bernhard und Stiftungsrat Michael Götzhaber, sowie den stv. Landesamtdirektor Markus Matschek und die ehem. Präsidenten des Europahauses Klagenfurt Walter Juritsch, Nikolaus Lanner sowie den Geschäftsführer Verein Europahaus, Marc Germeshausen und die ehem. Geschäftsführerin Mathilde Sabitzer.
Weiters anwesend waren neben vielen ehemaligen Mandataren und Funktionären, auch der Kammern, wie den ehemaligen EU-Abgeordnete Hubert Pirker oder den LK-Präsidenten außer Dienst, Walfried Wutscher, auch LK-Präsident Siegfried Huber und IV-GF Claudia Mischensky.
Umrahmt wurde der Festakt von Hannah Senfter (Harfe) und Matthias Haslinger (Tuba).  
Quelle: LPD Kärnten