VÖLKERMARKT. Die Gemeinde Neuhaus im Bezirk Völkermarkt übernimmt in Kärnten eine Vorreiterrolle in puncto Katastrophenschutz. Mit MERLIN, dem Messaging System mit Regionaler LoRa Infrastruktur, wird im September 2025 erstmals ein energieautarkes Notfall-Kommunikationssystem in Betrieb genommen, das auch bei lang andauernden Blackouts funktionieren soll.
Das experimentelle System basiert auf der energie- und kosteneffizienten LoRa-Funktechnologie und ermöglicht den Austausch kurzer Textnachrichten zwischen Gemeinde und Bevölkerung – unabhängig von Stromnetz, Telefon, Mobilfunk und Internet. Entwickelt wurde das System von Wissenschaftlern der Universität der Bundeswehr München als Teil des EU-finanzierten dtec.bw-Forschungsprojekts „Resilient Operation of LoRa Networks“ (ROLORAN). Die Vorstellung der in dieser Form europaweit bisher einzigartigen Technologie erfolgte heute begleitet von einer Pressekonferenz in der Gemeinde Neuhaus.
Der Katastrophenschutzreferent des Landes Kärnten, Landesrat Daniel Fellner, betonte die enorme Bedeutung dieser Innovation.
„Die letzten Jahre haben uns immer wieder vor Augen geführt und am eigenen Leib spüren lassen, wie ungeheuer wichtig ein moderner und gut aufgestellter Katastrophenschutz für Kärnten ist. Mit MERLIN setzt die Gemeinde Neuhaus neue Maßstäbe in der Krisenkommunikation. Die Infrastruktur ist einzigartig in Kärnten und ein Vorzeigeprojekt das Sicherheit auch dann gewährleistet, wenn die herkömmlichen Kommunikationsnetze ausfallen!“
Fellner dankte der Gemeinde Neuhaus und allen Beteiligten für ihren außerordentlichen Mut und ihre Pionierarbeit.
Der Projektleiter, Wolfgang Hommel, hebt hervor:
„MERLIN demonstriert die Eignung der LoRa-Technologie in einer für Funkverbindungen anspruchsvollen mittelgebirgigen und stark bewaldeten Region. Unser ROLORAN Disaster Communication Protocol verbindet die zehn strategisch gewählten Standorte zuverlässig. Die direkte Integration von Haushalten über Mobilgeräte, die in der nächsten Projektphase durch Übungen intensiv erprobt werden soll, ist ein wichtiger Schritt, um in Katastrophensituationen Hilfsmaßnahmen noch schneller und gezielter zu koordinieren.“
Aus Sicht von Hannes Kern vom Disaster Competence Network Austria (DCNA) setzt die Gemeinde Neuhaus mit MERLIN die Gemeinde Neuhaus einen wichtigen Meilenstein in der Stärkung der Resilienz gegenüber Blackout-Szenarien. Kern:
„Die Kombination aus lokaler Energieautarkie, moderner LoRa-Technologie und direkter Bürger*innen-Einbindung ist beispielhaft für praxisorientierte Katastrophenvorsorge. Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, wie wissenschaftliche Innovation, kommunales Engagement und die Lehren aus vergangenen Extremereignissen zu einer nachhaltigen Sicherheitsinfrastruktur für die Bevölkerung führen können.“
Auch der Bürgermeister der Gemeinde Neuhaus, Patrick Skubel, zeigte sich überzeugt:
„Neuhaus übernimmt Verantwortung und geht als erste Gemeinde Kärntens einen mutigen Schritt in der Blackout-Prävention. Mit MERLIN wird Sicherheit für die Bevölkerung geschaffen, und zwar auch dann, wenn Strom, Telefon und Internet nicht mehr funktionieren.“
Diese „Pionierarbeit“, so Fellner und Skubel, solle auch Vorbild für viele weitere Gemeinden sein.
Anstoß für das Projekt waren auch die massiven Unwetter im Sommer 2023, die Straßen, Brücken und Leitungen zerstörten und ganze Ortsteile tagelang von der Außenwelt abschnitten. In Kombination mit schwacher Mobilfunkversorgung im Grenzgebiet zu Slowenien erkannte man die Notwendigkeit einer krisenfesten und unabhängigen Kommunikationslösung. Bereits 2024 wurden fünf erste Versuchsgeräte in Betrieb genommen nun folgt die zweite Generation mit zehn MERLIN-Basen in umgebauten Telefonzellen, jeweils ausgestattet mit Photovoltaik-Batteriepuffern und LoRa-Technik, sowie mobilen Endgeräten für Haushalte in besonders gefährdeten Ortsteilen.
Am Montagabend informierte die Gemeinde die Bürgerinnen und Bürger, am Mittwoch folgte ein Fachexpertenaustausch sowie eine Pressekonferenz anlässlich der offiziellen Inbetriebnahme.
Nach der Einführung sollen MERLIN-Geräte an interessierte Haushalte ausgegeben und Krisenübungen vorbereitet werden. Außerdem ist die Integration von Wetterstationen, Bodenfeuchtesensoren und Hochbehälterpegelmessungen geplant, um ein Lagebild für die Einsatzkräfte zu schaffen, ebenso wie die Einbindung kritischer Infrastrukturen und besonders vulnerabler Zielgruppen.
Mit MERLIN wird Neuhaus zur Pilotgemeinde in Kärnten und zu einem Leuchtturmprojekt in der österreichweiten Blackout-Vorsorge.
Quelle: LPD Kärnten