Kärnten schafft neues Kompetenzzentrum für sexuelle Gesundheit

Gesundheitslandesrätin Beate Prettner und Günther Nagele, Geschäftsführer des „Checkpoint sexuelle Gesundheit“ - Fotohinweis: Büro LR.in Prettner
Anlässlich des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember präsentierte Gesundheitslandesrätin Beate Prettner heute, Donnerstag, gemeinsam mit Günther Nagele, Geschäftsführer des „Checkpoint sexuelle Gesundheit“, eine wesentliche strukturelle Weiterentwicklung im Bereich sexuelle Gesundheit in Kärnten: den Ausbau des „Checkpoint sexuelle Gesundheit“ (ehemals Aidshilfe Kärnten) zu einem umfassenden Kompetenzzentrum, das Beratung, Diagnostik und künftig auch Therapie unter einem Dach vereint.

Medizinische Behandlung ganz niederschwellig

Der etablierte „Checkpoint sexuelle Gesundheit“ bietet Beratung und Testung für sexuell übertragbare Infektionen und HIV, doch bisher fehlte ein wichtiges Element: die medizinische Behandlung direkt vor Ort, außerhalb des Spitals. Positive Testergebnisse müssen aktuell an das Klinikum Klagenfurt überwiesen werden – oft eine Hürde für Betroffene.

„Das führt dazu, dass Therapien gar nicht beginnen oder abgebrochen werden“,

so Prettner und Nagele.

Anonymer Test bis Therapie

In der Landes-Zielsteuerungskommission Gesundheit wurde daher diese Woche ein zentrales Projekt beschlossen: Kärnten schafft einen „best point of service“ außerhalb des Krankenhauses – vom (anonymen) Test bis zur Diagnose und Therapie vor Ort.

„Das neue Kompetenzzentrum soll bis Mitte 2026 in Betrieb gehen und künftig – zusätzlich zu den bisherigen Beratungen und Testungen – Diagnostik, Therapie und medizinische sowie sexualpädagogische Prävention verbinden“,

so Prettner.
Für die erweiterten Leistungen sind zwei Öffnungstage pro Woche vorgesehen, für über 2.000 Kontakte jährlich.
Prettner:

„Damit wird die Versorgung niederschwelliger, gleichzeitig entlasten wir die entsprechenden Abteilungen im Klinikum Klagenfurt.“

Durch die Bündelung der Leistungen sollen die frühzeitige Diagnose, die Behandlungstreue und die epidemiologische Beobachtung von sexuell übertragbaren Krankheiten wesentlich verbessert werden.

Einigung auf Finanzierung

Für die Erweiterung wurde eine gemeinsame Finanzierung vom Kärntner Gesundheitsfonds und der Sozialversicherung vereinbart – für den Umbau des Checkpoint, den ärztlichen Dienst und zusätzliches nichtärztliches Personal. Nach drei Jahren ist eine Evaluation des Projekts vorgesehen.

Sexuell übertragbare Erkrankungen nehmen zu

„Sexuell übertragbare Erkrankungen sind wieder im Vormarsch – und wir reagieren darauf mit dem Kompetenzzentrum, das genau dort ansetzt, wo Menschen Hilfe suchen“,

fasst Prettner zusammen.
Laut Europäischer Gesundheitsagentur erkrankten allein 2023 fast 100.000 Menschen in EU- und EWR-Staaten an Gonorrhoe – ein Plus von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr, seit 2014 sogar eine Verdreifachung. Auch Syphilis, Chlamydien und andere sexuell übertragbare Erkrankungen nehmen wieder zu. Dies habe mehrere Gründe – mehr Tests (daher mehr Diagnosen), aber auch Veränderungen im Sexualverhalten.
HIV ist heute gut behandelbar, der Therapieerfolg hängt aber entscheidend von einer frühen Diagnose ab. Doch auch hier zeigt sich ein Anstieg: 2024 registrierte Österreich 454 neue HIV-Fälle (2023: 401). In Kärnten stiegen die Fallzahlen von 16 auf 22.

„Checkpoint“ immer gefragter

„Jede diagnostische Verzögerung erhöht Risiken für Betroffene und begünstigt weitere Infektionen. Prävention umfasst heute weit mehr als Kondome – regelmäßige Tests, Beratung sowie vorbeugende HIV-Medikamente (PrEP) und ,Notfall-Medikamente‘ (PEP) gehören ebenso dazu“,

informiert Nagele.
Auch die Zahl der Testungen im „Checkpoint sexuelle Gesundheit“ liegt aktuell bereits deutlich über dem Vorjahr, da „auch die Akzeptanz unserer Einrichtung stetig zunimmt“. In diesem Jahr wurden 1.120 Klientinnen und Klienten beraten und getestet, was knapp 2.800 Beratungskontakten entspricht. Prävention kommt natürlich auch nicht zu kurz: 335 sexualpädagogische Schul- und Jugend-Workshops wurden heuer durchgeführt.

Neuer 24/7-Online-Chat

Ein neues Angebot, das mit dem Jahr 2026 startet, ist der anonyme 24/7-Online-Chat für Jugendliche und (junge) Erwachsene.
Nagele:

„Gerade junge Menschen suchen ihre Informationen zu Themen der sexuellen Bildung gerne im Internet und befragen die KI. Unser neuer Chat ist KI-basiert aufgebaut, doch die KI füttern wir mit fachlich korrekten Informationen, die von uns überprüft sind und die wir in jugendfreundliche Sprache verpacken.“

Im Chat bleibt die Anonymität natürlich gewährt, zusätzlich werden auf der eigenen Landingpage www.checkpoint-kaernten.at/chatpoint die wichtigsten FAQs zu häufig gestellten Fragen rund um Sexualität, Beziehungen und sexuelle Gesundheit dargestellt.

„Wir machen Hilfe leichter zugänglich und stärken die Prävention in Kärnten – schnell, niederschwellig und professionell“,

fasst Prettner zusammen. 
Weitere Informationen: www.checkpoint-kaernten.at
Quelle: LPD Kärnten