Landeshauptmann Daniel Fellner empfing die belgische Botschafterin Caroline Vermeulen, zu einem Antrittsbesuch im Spiegelsaal der Kärntner Landesregierung. Im Zentrum des Austauschs standen zentrale Zukunftsfragen Europas – von Energiepolitik über Volksgruppen bis hin zur Rolle Kärntens im europäischen Kontext.
„Das Gemeinsame vor das Trennende stellen.“ So beschreibt Landeshauptmann Daniel Fellner seinen Zugang zu seiner neuen Aufgabe als Landeshauptmann. Dieser Anspruch präge die Volksgruppenpolitik ebenso wie den Umgang mit den Sozialpartnern und die Zusammenarbeit mit den europäischen Nachbarn. Mit Blick auf den Einsatz am Peršmanhof betonte Fellner, dass dieser keine negativen Auswirkungen auf die freundschaftlichen Beziehungen zu Slowenien habe. Ein aktueller Bericht aus dem slowenischen Parlament bestätige vielmehr die gute Zusammenarbeit. Auch das Dialogforum sei ein modernes und erfolgreiches Instrument zeitgemäßer Volksgruppenpolitik.
Enge Beziehungen
Kärnten pflege auf europäischer Ebene enge Beziehungen im Alpen-Adria-Raum – insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Katastrophenschutz, Kultur, Forschung, Bildung, Nachhaltigkeit, Infrastruktur und Tourismus. Im Rahmen des EVTZ (Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit) mit den italienischen Regionen Veneto und Friaul-Julisch-Venetien sowie mit dem Beitrittskandidaten Istrien und innerhalb der Alpen-Adria-Allianz finden regelmäßig Arbeitstreffen zu gemeinsamen Zukunftsthemen statt. Für Fellner ist dabei auch die Koralmbahn ein entscheidender Impulsgeber für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung entlang der gesamten Baltisch-Adriatischen Achse.
Unabhängigkeit
Auch in der Energiepolitik sieht der Landeshauptmann Kärnten gut aufgestellt:
„Wir erzeugen bereits mehr grüne Energie, als wir verbrauchen. Jetzt geht es darum, Energiepolitik stärker auf Bundes- und EU-Ebene zu denken, um unabhängiger zu werden – denn auch diese Herausforderung endet nicht an den Landesgrenzen.“
Diese europäische Unabhängigkeit sei ebenso in der Pharmazie wie im Digitalsektor von zentraler Bedeutung. Gerade im Bereich Künstliche Intelligenz müsse Europa verstärkt auf Souveränität und Datenhoheit achten. Kärnten setze bereits erste Schritte, KI in der Verwaltung einzusetzen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlasten und Bürgerinnen, Bürgern sowie Unternehmen noch besseren Service zu bieten.
Miteinander
Botschafterin Vermeulen zeigte sich insbesondere an der Zusammenarbeit mit der slowenischen Volksgruppe sowie an der grenzüberschreitenden Kooperation im Alpen-Adria-Raum interessiert. Mit Blick auf die verschiedenen Sprachgruppen in Belgien zog sie dabei Parallelen. Auch Belgien beschäftige sich mit ersten Anwendungen von KI in der Verwaltung. Die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern sei eine der großen Herausforderungen – lösbar nur durch gemeinsames europäisches Handeln. Auch in der Energiepolitik ortete Vermeulen dringenden Handlungsbedarf.
„Europa müsse unabhängiger werden. Geopolitische Spannungen – etwa in der Ukraine oder im Iran – machten die Verwundbarkeit Europas deutlich. Umso wichtiger sei eine engere Zusammenarbeit innerhalb Europas“,
so die Botschafterin.
Enge Kontakte
Für Vermeulen war es der erste Besuch in Kärnten. Ihr Zuständigkeitsbereich umfasst neben Österreich auch Slowenien und die Slowakei. Begleitet wurde sie von Jean-Philippe Schklar, Handelsattaché der Region Wallonien, Stefan Stolitzka, Honorarkonsul des Königreichs Belgien in Graz, sowie Laurena Marx, Mitarbeiterin der Botschaft des Königreichs Belgien in Österreich.
Zwischen Österreich und Belgien bestehen bereits enge Kontakte, insbesondere im Bildungs- und Forschungsbereich. So pflegen die Universität Klagenfurt und die FH Kärnten Austauschprogramme mit belgischen Hochschulen, darunter die KU Leuven und die Ghent University. Auch wirtschaftlich gibt es etablierte Kooperationen: Kärntner Unternehmen wie Infineon arbeiten mit der belgischen Elektronikindustrie zusammen, Hasslacher Norica Timber liefert Brettschichtholz für den belgischen Bausektor.

