10. Oktober 1: Tag im Zeichen der Einheit, des Gedenkens und der Zuversicht

LH Peter Kaiser bei der Ansprache bei der 10. Oktoberfeier am Friedhof Annabichl. Fotohinweis: LPD Kärnten/Just
Der 10. Oktober 1920 markiert eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte Kärntens und für seine Identität. Heute, Freitag, wurde bei den zwei offiziellen Gedenkfeiern des Landes der Kärntner Volksabstimmung und der Opfer des Abwehrkampfes gedacht. Landeshauptmann Peter Kaiser beschrieb in seiner Rede am Friedhof Annabichl die Jahre von 1918 bis 1920 als Jahre der Not, der Verunsicherung, des Mangels und voller Entbehrungen.

„Wir gedenken derer, die in jener schwierigen Zeit bereit waren, große Opfer zu bringen und ihr Leben zu riskieren, um Heimat, Freiheit und Demokratie zu schützen.“

Im Landhaushof spannte Kaiser den inhaltlichen Bogen in die gegenwärtige Situation in Kärnten und weltweit. Er unterstrich die hohe Bedeutung dieses Festtages für das Selbstverständnis der Kärntnerinnen und Kärntner sowie ihrer Identität.

„Der Geist von 1920 ist heute so aktuell wie nie: Zusammenhalt statt Spaltung. Demokratie statt Autokratie. Verantwortung statt Gleichgültigkeit“,

beschwor Kaiser in seinen beiden Reden.
 

„Im Kärntner Abwehrkampf 1918 bis 1920 stellten sich deutsch- und slowenischsprachige Kärntnerinnen und Kärntner Seite an Seite den Versuchen des damaligen SHS-Staates entgegen, Südkärnten gewaltsam zu erobern. Sie kämpften nicht für persönliche Vorteile, nicht für Macht, sondern für eine gemeinsame Zukunft in einer damals noch jungen und zerbrechlichen Demokratie – der Ersten Republik Österreich“,

sagte Kaiser vor dem Landesehrenmal am Annabichler Friedhof. Er betonte:

„Ihnen allen schulden wir Dankbarkeit und ehrendes Gedenken. Ohne ihren Mut, ihre Opferbereitschaft und ihren tiefen Glauben an ein freies Kärnten in einem demokratischen Österreich wäre unsere Geschichte anders verlaufen.“

Für den Landeshauptmann war der Akt der Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920 weit mehr als nur ein politischer Akt – es war ein Wendepunkt, ein Bekenntnis zur Gemeinschaft, zu einem gemeinsamen Weg über Sprach- und Herkunftsgrenzen hinweg – ein Signal weit über die Landesgrenzen hinaus: „Kärnten steht zusammen – auch und gerade dann, wenn es schwierig ist“. Kaiser betonte auch, dass und was Kärnten daraus gelernt habe, was seitdem gemeinsam in Kärnten erreicht wurde. Seitdem habe Kärnten zahlreiche Hürden überwunden – vom Anschluss an Nazi-Deutschland, Vertreibung und Aussiedelung, Zerstörung sowie politischen Spannungen.

„Die Herausforderungen des Wiederaufbaus, der Modernisierung, der Globalisierung, viele dieser Wegstrecken waren steinig. Vieles hat wehgetan. Aber Kärnten ist weitergegangen“,

so Kaiser.
 
Im Landhaushof erinnerte Kaiser an seine erste Rede vor 13 Jahren, und wieviel Kritik damals einige Worte von ihm auf Slowenisch auslöste:

„Heute, 13 Jahre später ist es selbstverständlich. Es ist normal, dass wir beide Sprachen als Teil unserer gemeinsamen Identität wertschätzen.“

Für ihn sei das das vielleicht schönste Zeichen der positiven Entwicklung Kärntens.
Der Landeshauptmann rief auch weitere positive und Mut machende Tatsachen ins Bewusstsein:

„Heute ist Kärnten kein abgehängtes Grenzland mehr, sondern ein selbstbewusstes, innovatives, lebens- und liebenswertes Bundesland im Herzen Europas. Wir sind ein gefragter Wirtschafts- und Forschungsstandort, Heimat international tätiger Unternehmen und von Weltmarktführern, ein Zentrum für nachhaltige Technologien, grüne Energie, Digitalisierung und Bildung. Unsere Fachhochschulen, unsere Universitäten, unsere Start-ups – sie alle sind Teil einer neuen Kärntner Geschichte, die nicht auf Spaltung, sondern auf Zukunft setzt. Auf eine Zukunft, in die uns unter anderem auch die Koralmbahn mit 250 km/h bringen wird – eine Jahrhundertchance für uns alle, für ganz Kärnten, für den neu aufgehenden Stern des Südens Kärnten-Steiermark.“

Der Landeshauptmann mahnte auch, dass Frieden niemals als garantiert und selbstverständlich zu betrachten ist. Gerade geopolitische Krisen wie der anhaltende brutale Angriffskrieg von Russland in der Ukraine oder die Spannungen im nahen Osten, würden zeigen:

„Frieden ist nichts, das einfach da ist. Er muss jeden Tag aufs Neue verteidigt, geschützt und gelebt werden. Genauso wie unsere liberale Demokratie. Gerade deshalb ist der Geist von 1920 heute so aktuell: Zusammenhalt statt Spaltung. Demokratie statt Autokratie. Verantwortung statt Gleichgültigkeit.“

Zum Scheitern verurteilt sind laut Kaiser vereinzelte Versuche, die den erarbeiteten Frieden, die gedeihliche Entwicklung der Beziehungen zwischen deutsch- und slowenischsprechenden Landsleuten aus politischen und ideologischen Interessen zu beschädigen versuchen. Denn die große Mehrheit der Kärntnerinnen und Kärntner weiß heute: Nur im Respekt voreinander, in einem gemeinsamen Europa, als Mitglied der EU haben wir Zukunft!
Wie sehr wir trotzdem auf das zarte Pflänzchen des Miteinanders, das seit 15 Jahren gehegt und gepflegt werde, achtgeben müssen, zeige der bedauerliche Vorfall am Peršmanhof in Bad Eisenkappel.

„Er zeigt auch und besonders am heutigen Gedenktag, dass Geschichte kein Museum ist. Sie lebt, sie wirkt fort und sie stellt uns immer wieder vor neue Aufgaben“.

 
Er forderte nochmals volle Transparenz, Aufarbeitung, Dialog und das Bewusstsein, dass

„wir alle eine gemeinsame Verantwortung tragen: Die Verantwortung, dass Erinnerung und Miteinander stärker sind als vorangetriebene Spaltung und Gegeneinander“.

Im Sinne des 10. Oktobers unterstrich der Landeshauptmann den gemeinsamen gesellschaftlichen Auftrag:

„Nie vergessen, woher wir kommen. Und immer wissen, wohin wir wollen. Für ein Kärnten, das Heimat für alle ist, die hier leben.“ Mit den Worten „Es lebe unser geliebtes Kärnten – in einem demokratischen Österreich – in einem friedensschützenden Europa“

schloss Landeshauptmann Peter Kaiser, der sich bei allen für die Feier Verantwortlichen, darunter zahlreiche Traditions-, Trachten und Kulturvereine bedankte, seine Rede zum Gedenken an die Kärntner Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920.
 
Quelle: LPD Kärnten