Gleichstellung – der unterschätzte Wettbewerbsvorteil

BU Foto Frauentag1: Von links Ingrid Manthei, Gleichstellungsbeauftragte für den Arbeitsmarkt des AMS Kärnten, LHStv.in Gaby Schaunig, AMS Kärnten GF Peter Wedenig, ÖGB Landesfrauenvorsitzende Sylvia Igumnov und Gerda Sickl, stv. Gleichstellungsbeauftragte für den Arbeitsmarkt des AMS Kärnten. (Fotohinweis: Büro LHStv.in Schaunig)
Der Kärntner Arbeitsmarkt befindet sich im Umbruch – demographischer Wandel, die Verschiebung des Arbeitskräftepotenzials innerhalb Kärntens und eine anziehende Konjunktur erhöhen den Bedarf an qualifizierten Arbeits- und Fachkräften und rücken neue Perspektiven für Beschäftigung und Qualifizierung in den Mittelpunkt. Ein besonderer Schlüssel dafür ist die noch stärkere Einbindung von Frauen in den Arbeitsmarkt; stellen sie doch knapp mehr als die Hälfte der Kärntner Bevölkerung.

„Damit Frauen ihre beruflichen Potenziale voll entfalten können, müssen Arbeitsbedingungen und Rahmen so gestaltet sein, dass unterschiedliche Lebensrealitäten besser berücksichtigt werden. Davon profitieren nicht nur Frauen selbst, sondern auch die Regionen, die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt“,

sagen LHStv.in Gaby Schaunig, AMS-Kärnten-Chef Peter Wedenig und ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Silvia Igumnov im Rahmen eines gemeinsamen Pressegesprächs anlässlich des internationalen Frauentages am 08. März.

„Gleichstellung ist kein kurzes Projekt, sondern eine bewusst gewählte Strategie, die langfristig in die Zukunft wirkt und vielfach als Wettbewerbsvorteil unterschätzt wird“,

so AMS-Kärnten-Chef Peter Wedenig.
Dass Gleichstellungsarbeit wirkt, zeigen auch aktuelle Daten zum Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote von Frauen in Kärnten konnte von 10,4% im Jahr 2016 auf 6,7% im Jahr 2025 gesenkt werden. Damit liegt sie unter der Quote der Männer in Kärnten (2025: 8,2%) und auch unter dem Österreichschnitt (Frauen ALQ Ö: 6,9%). Die Erwerbstätigenquote der Frauen ist in Kärnten auf 70,1% gestiegen (Stand 2024; aktuellste Daten). 2016 lag sie bei 65,1%.

„Das ist Bestätigung und zugleich Auftrag, Gleichstellung weiter voranzutreiben“,

betont Arbeitsmarkt- und Gleichstellungsreferentin LHStv.in Gaby Schaunig. Im Rahmen des Territorialen Beschäftigungspakts gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die sich explizit an Frauen richten.

„Seit vielen Jahren bewährt hat sich unsere Zielgruppenstiftung für Frauen, 2026 stehen 50 Plätze zur Verfügung. Sie steht Frauen offen, die keine abgeschlossene Ausbildung oder einen Beruf erlernt haben, den sie nicht mehr ausüben können – sei es aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen oder weil er nicht mehr nachgefragt wird“,

erklärt Schaunig.
Land Kärnten und AMS finanzieren die Zielgruppenstiftung mit rund 850.000 Euro pro Jahr. Ebenfalls eingerichtet wurden Frauenberufs- und -beratungszentren nicht nur im Zentralraum, sondern auch in den Regionen, wo Frauen, die es aufgrund verschiedenster Problemlagen schwer haben mit dem (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt, gezielt unterstützt, beraten und begleitet werden. Ein weiterer Schwerpunkt sind gezielte Kursmaßnahmen in Branchen mit Fachkräftemangel, etwa eine Ausbildung zur Buslenkerin.
Das AMS Kärnten forciert seit vielen Jahren die Gleichstellung am Arbeitsmarkt, unter anderem durch Gender Budgeting und lebensphasenorientierte Arbeitsmarktpolitik – von Berufsorientierung über Förderung von Wiedereinsteigerinnen bis hin zur Aus- und Weiterbildung. Aufbauend auf das regionale, mit dem Land Kärnten umgesetzte Veranstaltungsformat „Zukunftswerkstatt“ und die kärntenweite AMS-Kampagne „Mobil für Gleichstellung“ wird heuer ein zusätzlicher Akzent in den Regionen gesetzt. Wedenig: „Gleichstellungsarbeit kann ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal sein und bietet in vielerlei Hinsicht einen Mehrwert. Das AMS wird daher heuer insbesondere regionale Unternehmerinnen und Unternehmen sowie Meinungsbildende ansprechen und ihnen mit so genannten „Quick Wins“ pragmatische Hebel zur Verfügung stellen, die rasch Wirkung zeigen. Mit dieser regionalen Verankerung nimmt Kärnten auch innerhalb des AMS eine Vorreiterrolle in Gleichstellungsagenden ein.“

„Frauen verdienen in Österreich im Schnitt rund 15,5 Prozent weniger als Männer – das sind über 10.000 Euro weniger Einkommen pro Jahr. Diese Ungleichheit wirkt sich nicht nur im Erwerbsleben aus, sondern verfestigt sich im Alter“,

betont ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Silvia Igumnov anlässlich des Internationalen Frauentages.

„Frauen erhalten im Schnitt rund 40 Prozent niedrigere Pensionen als Männer. Diese Pensionslücke bedeutet oft Jahrzehnte geringerer Altersrente und ein deutlich höheres Risiko von Altersarmut für Frauen.“

Auch bei der Mindestabsicherung zeigt sich das Ungleichgewicht:

„Etwa 67 Prozent aller Ausgleichszulagenbeziehenden sind Frauen, die trotz jahrzehntelanger Arbeit nur eine ergänzende Leistung zur Sicherung des Existenzminimums erhalten.“

In Kärnten beziehen rund 17.000 Menschen Ausgleichszulagen.

„Das unterstreicht, wie stark Altersarmut gerade Frauen trifft“,

erklärt Igumnov.
Daher fordern die Gewerkschaftsfrauen nicht nur gleiche Bezahlung im Erwerbsleben, sondern auch gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Altersabsicherung.
Ein wichtiger Schritt zur Schließung dieser Lücken ist die rasche Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie bis Juni 2026.

„Transparenz schafft Fairness. Nur wenn Gehälter nachvollziehbar sind, können ungerechtfertigte Unterschiede beseitigt werden“,

betont die ÖGB-Landesfrauenvorsitzende.
Gerade im Zusammenspiel mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen des AMS Kärnten und Gleichstellungsinitiativen des Landes Kärnten brauche es klare Rahmenbedingungen, damit Frauen in allen Lebensphasen gleichstellungsgesichert sind – vom ersten Job bis zur Pension.
Quelle: LPD Kärnten